Der Ökomarkt: Bio wächst über Verfügbarkeit und Sortiment
Das Wachstum des Ökomarktes aus dem letzten Jahr setzt sich weiter fort. Davon profitiert auch der Fachhandel. Der größte Wachstumstreiber ist allerdings der Drogeriemarkt. Wichtige Kaufkriterien bei den Konsumenten sind Tierwohl und Regionalität, aber auch ein hohes Vertrauen in bekannte Bio-Marken regt Kunden und Kundinnen an, immer häufiger zu Bio-Produkten im Regal zu greifen. Ein umfangreiches Sortiment in allen Vermarktungswegen erhöht die Sichtbarkeit von Bio-Produkten, die dadurch ihren Weg in immer mehr Haushalte finden.
Positiver Trend bei Milch …
Die Preise für Bio-Milch steigen weiter, bei stagnierenden oder leicht abnehmenden Preisen bei der konventionellen Milch vergrößert sich so der Abstand immer mehr. Die Nachfrage nach biologisch erzeugter Milch und Milchprodukten ist hoch, dennoch ist das Umstellungsinteresse bei den Milchviehbetrieben sehr gering. Auch die Produktionsausweitung bei bestehenden Bio-Betrieben ist kaum möglich, da die Futterflächen begrenzt sind.
Im Hinblick auf die Weidepflicht, die im nächsten Jahr flächendeckend umgesetzt wird, kann die Rohstoffverfügbarkeit eingeschränkt sein. Etwa 50 % der Bio-Milch wird in Süddeutschland produziert. Dort wird die Situation voraussichtlich problematischer werden. Darüber hinaus ist der Druck auf die Molkereien zurzeit sehr groß. Die Milcherzeuger ziehen aktuell Rückumstellungen oder Molkereiwechsel in Betracht.
…. und Schweinefleisch
Die Schlachtpreise für Schweine steigen seit beinahe zwei Jahren stetig. Allerdings sind auch die Futterkosten gestiegen. Betriebe, die bereits seit Längerem einen Neubau geplant haben, setzen dies jetzt teilweise um. Umstellungsinteresse besteht aber auch hier kaum. Das aktuell eher knappe Angebot wird sich auch im nächsten Jahr nicht wesentlich verändern. Steigende Absatzmengen, vor allem über den LEH, können über den deutschen Markt nicht realisiert werden.
Große Eier-Nachfrage
Die Nachfrage nach Bio-Eiern ist weiterhin sehr hoch. Die Betriebe schöpfen ihre Produktionskapazitäten möglichst aus und stallen mehr Tiere ein. Darüber hinaus gibt es auch in begrenztem Maße Umsteller. Im Jahr 2026 ist wenig Produktionssteigerung zu erwarten. Die bestehenden Betriebe haben ihre Kapazitäten ausgeschöpft. Es bleibt abzuwarten, ob der Bürokratieabbau dazu führt, dass Stallneu- und -umbauten leichter zu realisieren sind. Die Preise sind anhaltend stabil und werden auch im kommenden Jahr zumindest stabil bleiben oder sogar leicht ansteigt. Die Umstellung auf biologische Legehennenhaltung kann vor allem in NRW ein zukunftsweisendes Standbein sein, um die Versorgungslücke zu schließen.
Hohe Erntemengen, gute Qualität, knappe Versorgung?
In diesem Jahr waren sowohl die Erntemengen als auch die Qualitäten des Getreides zufriedenstellend, sofern es vor dem Regen gedroschen werden konnte. Allgemein ist der Getreidemarkt ausgeglichen, sowohl in Bezug auf Angebot und Nachfrage, als auch auf die Preise. Die Versorgung mit Futtergetreide ist eher knapp, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. Somit könnte die Nachfrage ab dem Jahreswechsel steigen – und damit auch die Preise. Vor allem Verbandsware ist knapp und gefragt.
Die Winterungen konnten weitestgehend bei guten Bedingungen termingerecht ausgesät werden. Sofern extreme Witterungsereignisse ausbleiben, kann mit einer guten Entwicklung und einer besseren Versorgung im nächsten Jahr gerechnet werden.
Stabiler Eiweißpflanzenmarkt
Bei den Körnerleguminosen verändert sich die Anbaufläche aktuell nicht. Eher ist eine Verschiebung der Kulturen zu erkennen. Nach teilweise enttäuschenden Erträgen der Ackerbohne in diesem Jahr wird für einige Betriebe der Anbau von Lupinen interessant. Auch Winterungen werden tendenziell mehr. Der Markt ist nachfrageorientiert, die Preise sind auf einem hohen und stabilen Niveau. Auch bei den Körnerleguminosen wird für Verbandsware ein deutlich höherer Preis gezahlt. Allerdings wird der Großteil inner- und zwischenbetrieblich genutzt, sodass der Markt relativ klein ist. Durch das fehlende Umstellungsinteresse von Betrieben und das weitere Wachstum des Bio-Marktes sind die Aussichten für die Landwirte und Landwirtinnen gut. Bei sojaanbauenden Betrieben steigt das Interesse, ihre Ware in den Speisebereich zu vermarkten. Bei entsprechender Qualität kann hier die Wertschöpfung deutlich gesteigert werden.
Preisdruck bei Kartoffeln, starkes Wachstum bei Gemüse
Bei den Kartoffeln führte die gute Ernte zu einem enormen Preisdruck. Etwa die Hälfte der Ware wird über den Discount vermarktet und steht dort in direkter Konkurrenz zur konventionellen Ware. Der Preisunterschied ist daher eher gering - und das zu Lasten der Erzeuger. Im kommenden Jahr wird ein Rückgang der Anbaufläche erwartet, auch weil die Nachfrage nicht zufriedenstellend ist. Zudem steigt das Risiko durch einen Befall mit der Glasflügelzikade. Die Ausbreitung im Süden Deutschlands erfolgte schneller als erwartet und könnte im nächsten Jahr in NRW an Bedeutung gewinnen.
Wie auch in anderen Kulturen, begünstigte das Ausbleiben von Wetterextremen das Wachstum vieler Gemüsearten. Der Absatz von Bio-Gemüse ist besonders über die Discounter deutlich gestiegen. Vor allem bei Möhren hat sich die Anbaufläche positiv entwickelt, sodass bei einem durchschnittlichen Ertragsniveau eine deutlich bessere Versorgung des Marktes stattfindet. Das führt zu einem sehr niedrigen Preisniveau, wodurch trotz großer Nachfrage eine kleinere Anbaufläche im nächsten Jahr erwartet werden kann.
Fazit für 2025
Allgemein war in diesem Jahr das Ertragsniveau vieler Kulturen zufriedenstellend. Die Erzeugerpreise orientieren sich an Angebot und Nachfrage, der LEH und Exportländer sorgen für Preisdruck. Tierhaltende Betriebe profitieren aktuell von einer großen Nachfrage bei begrenztem Angebot. Dies wird sich voraussichtlich auch im nächsten Jahr nicht ändern. Bei einer positiven Entwicklung des Bio-Marktes und begrenzter Anbau- und Futterfläche sind stabile Preise zu erwarten. Vor allem die Nachfrage nach Verbandsware in allen Bereichen kann ein Anreiz für konventionelle Betriebe sein, auf biologische Produktion umzustellen.
Sarina Hertel, LWK NRW


