Zwei Tage raus aus dem Klassenzimmer – und mitten hinein in die Praxis: Die Projektgruppe der 7. Jahrgangsstufe des Herder Gymnasium Minden erlebte Bio-Landwirtschaft dort, wo sie tatsächlich stattfindet – auf dem Acker und im Stall.
Der erste Tag führte die Schülerinnen und Schüler auf den Biohof Kinkelbur. Schon beim Ankommen wurde klar: Hier wird nicht nur über Landwirtschaft gesprochen, hier wird sie gelebt. Gleich zu Beginn ging es hinaus zu den Kühen. Mit viel Neugier und auch ein wenig Respekt trieb die Gruppe die Tiere gemeinsam auf die Moorweiden. Dabei wurde schnell deutlich, wie wichtig Ruhe, Aufmerksamkeit und ein gutes Gespür im Umgang mit Nutztieren sind. Und auch wenn die Schuhe nicht immer sauber blieben und der ein oder andere Kuhfladen nicht ausgelassen wurde, hatten die Schüler*innen dabei großen Spaß.
Im weiteren Verlauf drehte sich alles um die Frage, was Kühe eigentlich brauchen: Was fressen sie? Wie funktioniert eine artgerechte Haltung? Und wie wird aus Milch ein Lebensmittel? Im Melkstand konnten die Schülerinnen und Schüler die Technik aus nächster Nähe betrachten – und mit den Melkgeschirren sogar selbst ausprobieren, wie sich das Melken anfühlt. Ein Erlebnis, das für viele neu und überraschend war.
Anschließend wurde auch die Hühnerhaltung auf dem Hof unter die Lupe genommen und darüber gesprochen, welche Unterschiede es zwischen konventioneller und ökologischer Haltung gibt. Die Schüler*innen durften die Eier aus den Nestern suchen und die Ziegen streicheln, die hier zur Greifvogelabwehr gehalten werden.
Während der Frühstückspause setzte die Öko-Modellregion Minden-Lübbecke einen inhaltlichen Impuls: „Was ist eigentlich Ökolandbau?“ Gemeinsam wurde erarbeitet, welche Prinzipien hinter ökologischer Landwirtschaft stehen und warum sie für Umwelt, Tiere und Menschen eine wichtige Rolle spielt.
Am zweiten Tag ging es weiter zum Böhnen Hoff – und hier wartete ein ganz anderes, aber ebenso spannendes Arbeitsfeld. Der Betrieb zeigt, dass moderne Landwirtschaft auch ohne große Maschinen funktionieren kann: Gemüseanbau mit Pferdekraft. Die Schülerinnen und Schüler bestimmten verschiedene Gemüsesorten direkt auf dem Feld, probierten frisch Geerntetes und halfen selbst bei der Ernte mit. So wurde aus Theorie ganz schnell praktische Erfahrung.
Ein besonderes Highlight war der Einsatz von Aika, dem Arbeitspferd, einem Rheinisch-Deutschen Kaltblut. Geduldig und kraftvoll zog es das Gerät über den Acker und grubberte einen Teil der Fläche – die Grundlage für eine neue Blühwiese, die die Schüler*innen selbst anlegten. Die Gruppe konnte hautnah erleben, wie traditionelle Arbeitsweisen heute wieder an Bedeutung gewinnen und welche Vorteile sie für Boden und Umwelt haben.
Nach so viel Bewegung an der frischen Luft wurde es am Nachmittag kulinarisch: Die Schülerinnen und Schüler bereiteten gemeinsam eine Mahlzeit zu. Über dem Feuer wurden Wrap-Fladen gebacken, dazu gab es einen frischen Salat aus den zuvor kennengelernten Zutaten. Hier zeigte sich besonders deutlich, wie eng Landwirtschaft und Ernährung miteinander verbunden sind.
Auch an diesem Tag lieferte die Öko-Modellregion Minden-Lübbecke einen thematischen Impuls. Im Fokus stand diesmal die Frage nach „regional“ und „nicht-regional“. Anhand von Produktverpackungen untersuchten die Schülerinnen und Schüler die Herkunft verschiedener Lebensmittel und stellten fest, wie weit viele Produkte gereist sind, bevor sie im Supermarkt landen. In diesem Zusammenhang wurde auch die Bedeutung von Saisonalität diskutiert – und warum es sinnvoll sein kann, sich stärker an regional verfügbaren Lebensmitteln zu orientieren.
Am Ende der zwei Tage stand weit mehr als nur neu erlerntes Wissen: Die Schülerinnen und Schüler hatten Landwirtschaft mit allen Sinnen erlebt – sie haben Tiere bewegt, Erde unter den Fingern gespürt, Lebensmittel geerntet und selbst zubereitet. Die Erfahrungen auf den beiden Höfen haben nicht nur Einblicke in ökologische Zusammenhänge ermöglicht, sondern auch ein neues Bewusstsein für Ernährung, Nachhaltigkeit und die Herkunft unserer Lebensmittel geschaffen.




