Als sie sich Anfang der 1990er-Jahre für die Umstellung auf eine biologische Bewirtschaftung ihres Gemischtbetriebs entschieden, waren Ruth Laakmann und Ludger Schreiber mit die Ersten am Niederrhein. 1995 schlossen sie sich dem Demeter-Verband an und suchten von Anfang an Kontakt zur Wissenschaft, Berufskollegen und zur Öffentlichkeit. In den vergangenen 30 Jahren hatten sie viele Praktikanten und Auszubildende, Forscher, Schulklassen und Kindergartengruppen auf ihrem Hof in Alpen-Veen. Vergangenen Sonntag wurde dies mit einem großen Hoffest gefeiert, das am Abend mit einem Hofkonzert des Vereins Kulturprojekte Niederrhein ausklang.
Die Veranstaltung war sozusagen Halbzeit der BioWochen NRW, die vom 30. August bis 14. September an zahlreichen Terminen Verbrauchern die Gelegenheit bieten, Regionalität und ökologische Landwirtschaft zu erleben. Die Landesregierung stärkt dem Öko-Landbau seit den frühen 1990er-Jahren den Rücken und so hat am Sonntag auch Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen den Schanzenhof besucht.
Hofübergabe an die nächste Generation
Ruth Laakmann und Ludger Schreiber sowie ihre Kinder Vincent und Sofia – die Hofübergabe an Vincent Schreiber steht unmittelbar bevor – halten rund 165 Rinder, darunter 90 Milchkühe, kuhgebundene Kälberaufzucht und teilweise eigene Mast der Bullenkälber. In Zusammenarbeit mit der Ökologische Tierzucht gGmbH (ÖTZ) wird versucht, eine spezielle Genetik für mastfähigere Kälber in die Holsteinrasse einzuzüchten. Außerdem tragen auf dem Hof rund 50 Schweine zu den biologisch-dynamischen Kreisläufen bei. Auf über 140 ha werden verschiedenste Kulturen in einer siebenjährigen Fruchtfolge angebaut: Luzernekleegras, Getreide, Rote Bete, Buschbohnen, Kürbisse, Kartoffeln und Mais. 2,5 ha Streuobst und der Hausgarten dienen der Obsterzeugung, wobei in der Hofküche vieles auch eingemacht oder anderweitig verarbeitet wird. Vermarktet wird sowohl über einen Hofladen als auch an Verarbeiter oder den regionalen Naturkostfachhandel.
Vielfältig engagiert
Der Hof ist einer von 30 ökologischen Leitbetrieben und einer von 34 Modellbetrieben zum Thema Wasserschutz in Nordrhein-Westfalen. Außerdem engagiert er sich in den Gemeinschaftsprojekten der Öko-Modellregion Niederrhein zur Stärkung der regionalen Wertschöpfungsketten. Silke Gorißen hob besonders die Teilnahme des Schanzenhofs in den vergangenen Jahrzehnten an mehreren Forschungsprojekten in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftskammer NRW hervor: „Mit den Ergebnissen dieser Projekte hat der Schanzenhof nicht nur zur Weiterentwicklung des Ökolandbaus, sondern der gesamten Landwirtschaft in unserem Bundesland beigetragen.“ Themen waren unter anderem die Klimarelevanz von Milchviehbetrieben, Nährstoffmanagement, solarbetriebene Tröpfchenbewässerung oder Humusaufbau. Eines der jüngeren Projekte ist die Pflanzung von Pappelstreifen als Agroforst auf einem 20 ha großen Acker.
Ingo Brohl, Landrat des Kreises Wesel, freute sich, dass sein einst mit der damaligen Landrätin des Kreises Kleve Silke Gorißen angeregtes Projekt der Bewerbung beim Land um die Öko-Modellregion der beiden Kreise erfolgreich war, nicht zuletzt, weil es bereits Pionierbetriebe wie den Schanzenhof gab. Außerdem ging er auf die Bedeutung der Höfe als Orte des Zusammenkommens bei den vom Kreis unterstützten Hofkonzerten des Vereins Kulturprojekte Niederrhein ein, bei denen der Schanzenhof als Gastgeber von Anfang an dabei war.
Der Stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Alpen, Peter Nienhaus, betonte, dass die Landwirtschaft des Schanzenhofs innovativ und nachhaltig sei und nannte noch weitere Projekte der Familie: Strohschweine, Gentechnikfreiheit, Bruderkalb. Ortslandwirt Johannes Paaßen bedankte sich bei der Familie für all ihr Engagement innerhalb der Ortsbauernschaft und betonte die gute Gemeinschaft der 15 noch aktiven Betriebe, bei der es keine Rolle spiele, ob konventionell oder ökologisch gewirtschaftet wird: „Alle leben von in und mit der Natur und sind den gleichen Wettergegebenheiten ausgesetzt. Wir machen viel gemeinsam und lernen voneinander.“
Wissen weitergeben
„Als die Fachschule für Ökologischen Landbau in Kleve 1996 gegründet wurde, war der Schanzenhof einer der ersten Betriebe, die mit den Schülern bis heute regelmäßig besucht werden konnten!“, freute sich Christian Wucherpfennig, Stellvertretender Schulleiter der Landwirtschaftskammer NRW: „Die Aus- und Weiterbildung liegt der Familie sehr am Herzen, sie haben da Enormes geleistet in all den Jahren.“ Abschließend beglückwünschte auch Moderatorin Ute Rönnebeck, Vorstandsmitglied der Landesvereinigung Ökolandbau NRW (LVÖ), den Schanzenhof im Namen aller Bioverbände zu seinem Jubiläum als Demeterhof: „30 Jahre Ökolandbau, 30 Jahre bio-dynamisch heißt auch 30 Jahre Wasser- und Bodenschutz, Humusaufbau und Entwicklung von Bodenfruchtbarkeit, 30 Jahre Tierwohl bei Rindern und Schweinen, 30 Jahre Landschaftspflege, Naturschutz, Biodiversität, regionale Kreisläufe und Direktvermarktung, 30 Jahre Leuchtturm für den ökologischen Landbau sowie Vernetzung in der Region.“
Ruth Laakmann sprach für ihre Familie: „In dieser Zeit hat sich der Betrieb deutlich verändert, das ist ein fließender Prozess. Wir danken allen, die uns auf dieser Reise über die der Jahrzehnte begleitet haben. Auch die politische Unterstützung hat dazu beigetragen, dass Bio aus der Nische herausgetreten ist. Wir werden uns auch in Zukunft den Herausforderungen stellen.“
Sabine Aldenhoff
